Woche 3: Jasper - Banff - Kootenay - Yoho

Der Montag morgen begann im Jasper Nationalpark wieder sehr früh, um den Sonnenaufgang am Lake Pyramid mitzunehmen. Den Rest des Tages haben wir entspannt in der wunderbaren, starken Sonne verbracht. Bevor es zum Sonnenuntergang an die Sunwapta Falls ging, bauten wir noch eine entspannte Yoga-Session ein. Um von dem nördlichen Jasper zum tiefer gelegenen Lake Louise zu kommen, fuhren wir, dieses Mal ohne Schneesturm, den atemberaubenden Icefield Parkway runter. Auf halber Strecke zu Lake Louise liegt das Columbia Icefield, einer der wenigen begehbaren Gletscher weltweit. In ganz Kanada wird mit dieser Attraktion geworben und für knapp 200 CAD kann man mit einem riesigen Truck direkt über das Eis auf die Gletscherzunge fahren - für ein „Erlebnis, das man nie wieder vergessen wird“. Die Realität sieht leider etwas anders aus. Mit den Trucks legt man circa 5 km auf planiertem Eis auf der Gletscherzunge zurück und hat dann 20min Aufenthalt auf der Gletscherzunge bevor es wieder über 5 km Eis und mehrere Kilometer Asphalt zurück geht. Wir beide entschieden uns dafür lieber von der Terrasse des Discovery Centers, dass dem Gletscher gegenüber gelegen ist, den Gletscher in der Sonne mit einem leckeren Cheeseburger zu betrachten. 

 Pyramid Lake

Pyramid Lake

 Columbia Icefields

Columbia Icefields

In dem Städtchen Lake Louise angekommen wurde schnell klar, dass sich einiges geändert hat in den vergangenen zwei Wochen. Es waren doppelt so vielen Touristen unterwegs und zu unserem Erstaunen war der gleichnamige See komplett eisfrei! Die Farbe war wunderbar türkis und das Wasser glasklar. Wir hatten wahnsinnig Glück, dass wir das noch erleben konnten, da dieses klare Wasser nur sehr kurz zu sehen ist. Das Gletschereis schmilzt nach und nach mit der stärker werdenden Sonne und nimmt auf dem Weg runter vom Berg ausreichend Schlamm und Steine mit sich. Mit der Folge dass der gesamte See milchig und trüb wird. Der Campground für den Abend war leider ein richtiger Fehlgriff. Auf den mit 27,40 CAD pro Nacht teuren Campingplatz konnten wir die ganze Nacht vorbeifahrende Züge hören und die Sanitäranlagen waren in schlechtem Zustand. Allgemein beinhalten die „luxuriöseren“ Campingplätze für 27,40 CAD bis 33,50 CAD pro Nacht neben einem Picknicktisch und eine Feuerstelle, einen Trinkwasser Zugang, Strom in den Waschhäusern und Duschen sowie Toiletten mit Spülung. Um Feuer zu machen braucht man eine Erlaubnis, die man für weitere 8,80 CAD erwerben kann (Feuerholz so viel man will inklusive). Gerade Wasser- und Stromanschlüsse sind eigentlich für RVs gedacht und für uns richtig unnötig. Nach der lauten Nacht wollten wir uns entspannte Tage in Banff machen, idealerweise in einem „primitiveren“ Campground. Diese entsprechen den Backcountry Konditionen, ohne laufend Wasser und nur mit Plumpsklo ausgestattet, und kosten zwischen 15,50 bis 17,60 CAD pro Nacht. Dabei muss man noch beachten, dass der Kurs Euro CAD für uns sehr gut ist, sodass man von dem original Preis gut ein drittel abziehen kann.

Am nächsten Tag ging es für uns wieder nach Banff, dass sich diesmal von seiner schönen, sonnigen Seite zeigte. Nach einer anstrengenden Wanderung auf den Tunnel Mountain fuhren wir an den bekannten Two Jack Lake. Dieser hatte zwei Parkplätze, der eine war hinter einem Hügel etwas ab von der Straße und nicht direkt sichtbar. Dort hing zwar ein Schild, dass Camping auf dem Parkplatz zwischen 23:00 und 07:00 Uhr untersagt ist, doch wir wollten sowieso früh für den Sonnenaufgang aufstehen und könnten, wenn doch jemand kontrolliert, schnell wegfahren. Unser Abendprogramm, kochen und Sonnenuntergang anschauen am Two Jack Lake, fiel wortwörtlich ins Wasser, da es nochmal richtig angefangen hat zu regnen. Spontan entschieden wir uns in das einzige Kino weit und breit in Banff für die 22:15 Uhr Vorstellung von Piraten of the Caribbean 5 zu gehen. Wenn die Nacht schon kurz werden soll, dann machen die 2 Stunden weniger auch nichts mehr aus. Als wir nach dem Film (absolut sehenswert) um halb 1 auf den Parkplatz fuhren, stand bereits ein anderer Camper dort zum schlafen. Die Nacht verlief problemlos, wenn sie auch etwas kurz war.

 Two Jack Lake

Two Jack Lake

Am Morgen hat es leider wieder geregnet und mit unserem übernächtigten Zustand gab es nur eine Möglichkeit: die Hot Springs (Therme). Mit einer Wassertemperatur von 38°C und einem leichten Regen von oben konnte man super entspannen und anschließend warm duschen. Nach der Stärkung fühlten wir uns bereit den Sulphur Mountain in Angriff zu nehmen, der mit einer Höhe von ca. 2500 m doch nicht so einfach hoch zu wandern war wie gedacht. Es gibt zwar eine Gondel, doch die 62 CAD pro Person wollten wir uns lieber sparen. Für die 6 Kilometer und die 700 Höhenmeter haben wir nur knapp 90 Minuten gebraucht und die Aussicht von dort war einfach atemberaubend.

 Blick vom Sulphur Mt. 

Blick vom Sulphur Mt. 

 Gondeln des Sulphur Mt. 

Gondeln des Sulphur Mt. 

Da sich das Wetter wieder gebessert hatte wollten wir doch nochmal versuchen, einen schönen Sonnenuntergang am Two Jack Lake zu genießen. Wir kochten uns etwas leckeres und verbrachten ein entspannten Abend mit Lesen und Fotografieren. Am letzten Abend hatte das unerlaubte Übernachten so gut geklappt, dass wir uns entschieden nochmals eine Nacht auf dem Parkplatz zu schlafen. Um 23:30 lagen wir bereits mit unseren Schlafsäcken im Dino, als ein Ranger Auto zur Kontrolle herumfuhr. Wir wurden beide etwas nervös und versuchten uns so gut wie möglich klein zu machen und zu verstecken. Ein anderes Auto, welches nur wenige Meter vor uns stand, wurde gründlich mit Taschenlampen von außen durchsucht. Bei uns guckten sie nur kurz rein und fuhren dann weiter. Wir hatten keine Ahnung ob sie nun unser Nummernschild aufgeschrieben hatten oder ob wir in sonstigen Schwierigkeiten stecken würden. Am nächsten Tag erkundigten wir uns über mögliche Konsequenzen der letzten Nacht. Zur unser Erleichterung werden nur Autos verdächtigt, in welchem man gut schlafen kann und die auch größer sind, und man hätte ein Zettel an das Fenster geklebt. Glücklicherweise ist der Dino so groß, dass wir gemütlich drin schlafen können aber anscheinend so unscheinbar, dass er uns vor dem Strafzettel gerettet hat!

 Two Jack Lake

Two Jack Lake

Um dem Regen zu entfliehen entschieden wir uns Banff zu verlassen und Richtung Süden zum Kootenay Nationalpark zu fahren. Der Kootenay Nationalpark ist alles andere als touristisch und somit genau richtig um in der Natur zu entspannen. Die Landschaft im Nationalpark ist stark von Waldbränden geprägt. DIe verbrannten Regionen erstrecken sich teils kilometerweit mit schwarzen, tristen Baumstämmen. Bekannt sind in Kootenay vor allem die „Radium Hot Springs“, eine etwas größere Therme, die sich für unseren Zustand optimal eignete. In den warmen und kalten Schwimmbecken verbrachten wir unseren Mittag mit strahlendem Sonnenschein am Himmel. Unsere Campinganlage direkt bei der Stadt Kootenay war ein absoluter Traum. Weit weg von der Straße mit einem tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang zwischen den Bergen. Wir entschlossen uns dazu den Rest des Tages das Camperleben zu genießen und abends zu Grillen und Smores zu essen. Für Smores braucht man Schokoladenplättchen und Marshmallows, die man davor über dem Feuer warm macht und mit Butterkeksen als Sandwich zusammendrückt - ein absolutes Muss für alle Camper!

Die zwei Tage Entspannung in Kootenay haben uns richtig gut getan und der Nationalpark eignete sich mit seinen wenigen Attraktionen wie die „Painting Pots“ optimal dazu. In Kanada hatten wir keine Campingplätze reserviert und konnten damit unsere Route so gestaltet, wie wir es wollten. Damit konnten wir ein starkes Freiheitsgefühl und eine Spontanität erleben, die wir aus dem Alltag garnicht gewohnt sind. Zusammen mit der endlosen Natur ist das Land ein absoluter Traum, und auch wenn es mal regnet, man genießt jede Sekunde davon. 

Tage unterwegs: 21
Kilometer zurückgelegt: 4351
Gefahrene Stunden im Auto: 53
Fast Food Mahlzeiten: 7
Foto Counter: 4377
Wildlife Counter: 33
Wochen-Tages-Durchnittstemperatur: 25
Wochen-Nacht-Durchschnittstemperatur: 7

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